Zukunft braucht Herkunft

100 Jahre Ruderclub Germania Düsseldorf

Es begann 1904 in der Altstadt

In einem kleinen Sträßchen der Düsseldorfer Altstadt, im "Zinterklöske" in der Hunsrückenstraße, versammelte sich im März des Jahres 1904 eine Gruppe Turner und Schwimmer, die einen Ruderclub gründen wollte. Wir wissen heute nicht mehr, was sie zu diesem Entschluss geführt hat, bestanden doch in Düsseldorf bereits zwei bekannte Rudervereine: der Düsseldorfer Ruderverein von 1880 (DRV) und der Wassersportverein Rudergesellschaft von 1893 (WSVD). Am 15. April 1904 fand die Gründungsversammlung mit zehn Mitgliedern statt, die dem neuen Verein den Namen "Ruderclub Germania Düsseldorf 1904 e.V." gaben. Leider nahm der "General-Anzeiger für Düsseldorf und Umgebung" an jenem 15. April 1904 von diesem Ereignis nicht Notiz und berichtete lieber darüber, dass "in Deutschsüdwestafrika der Herero-Aufstand gegen die deutsche Schutztruppe ausgebrochen" war und "Kaiser Wilhelm II auf Mittelmeerfahrt an Bord der Hohenzollern Regierungsgeschäfte erledigte".

Der neu gegründete Ruderclub Germania wählte einen Vorstand mit Karl Thiele als 1. Vorsitzenden und Theo Cohnen sen. als 2. Vorsitzenden. Bald waren auch die Vereinsfarben blau-weiß und die Clubflagge nach dem Entwurf des Mitglieds Ernst Hering in der noch heute gültigen Form gefunden. Unsere Vereinsgründer besaßen weder Boote noch ein Bootshaus. Das erste Boot war ein für 100 Mark vom WSVD gebraucht gekaufter Doppelzweier.
Am 7. Mai 1905 traf das erste schwimmende Bootshaus in Düsseldorf ein und wurde festgemacht. Dort wurde auch die jetzt aus vier Booten bestehende "Germania-Flotte" eingeweiht. Bald stieg die Zahl der Mitglieder auf 35 und die Sehnsucht nach einem festen Quartier. 11. Oktober 1908 - weniger als ein Jahr nach dem Baubeschluss und nach einer Bauzeit von nicht einmal sechs Monaten - wurde das erste feste Bootshaus mit einem Festakt eingeweiht.

Hilfe tat Not

Wie für neugegründete Vereine typisch, wurde ohne fachkundige Ausbildung und damit ohne gute Technik gerudert. Die ersten Rennruderer des RCGD trainierten 1907: erstmals startete ein Germania-Vierer auf den Regatten in Hügel und Ruhrort. 1909 gelang es überhaupt nur zweimal ins Hauptrennen zu kommen. 1909 wurde das Vereinsleben durch einen tragischen Unglücksfall überschattet. Auf einer Fahrt nach Volmerswerth geriet eine Vierermannschaft in eine Baggerkette. Das Boot schlug um, kam unter den Bagger und zerschellte. Zwei junge Ruderer verloren ihr Leben. Nach der Saison beschlossen die Rennruderer, künftig einen erfahrenen Betreuer hinzuzuziehen. Mit Ruderlehrer Götz aus Breslau beginnt im Jahre 1909 das systematische Rennrudern bei der Germania. Götz riss die übrigen Mitglieder mit: Sie kauften einen nagelneuen Rennachter. Ab April 1910 übernahm das Mitglied Brendel das Training. Brendel meldete eine Germania-Crew zu dem am 17. Juli 1910 erstmals ausgefahrenen Kaiserachter in Ruhrort. Mag es eine Verbeugung vor dem Kaiser oder die Begeisterung über den neuen Achter gewesen sein, jedenfalls gingen die bis dahin sieglosen Mannen des RC Germania selbstbewusst an den Start. Und das Unglaubliche wurde Ereignis, von unserer Festzeitung 1924 so gefeiert: "Endlich war der Bann gebrochen. Bei unbeschreiblichem Jubel der Mitglieder und Zuschauer, bei Glockenklang und Sirenengeheul der an der Rennstrecke liegenden Schiffe, konnte unsere wackere Achtermannschaft nach schönem Kampfe in bester Form bei fünf gestarteten Booten mit zehn Sekunden Vorsprung als erste die Ziellinie passieren. Es war ein glänzender Sieg bei gut beschicktem Felde. Unser erster Sieg, ein Achtersieg, ein Kaisersieg! Ein Erfolg, der der rennsportlichen Richtung unseres Clubs eine feste Grundlage gab."

Die Jugend kommt in den Club

1920 fiel die Entscheidung für das Schülerrudern. Der erste Vertrag wurde mit der Lessing-Oberrealschule (später: Lessing-Gymnasium) abgeschlossen, ein Jahr später folgte die Oberrealschule am Fürstenwall (später: Geschwister-Scholl-Gymnasium). Die Schüler organisierten sich selbst mit eigenem Vorstand, Ruderwart, Ausbildern und Ruderältesten und schlossen sich 1930 zur Vereinigten Schülerruderriege zusammen, dem Vorläufer der Germania-Jugendabteilung.
Der bis dahin wertvollsten Sieg ging 1925 an den Jungmann-Vierer Kirchhoff/Lichtenscheidt,/Münstermann/Strube/ Stm. Klopprogge auf der Meisterschaftsregatta in Hannover - das spätere Eichkranzrennen.

Auswirkungen des "Dritten Reichs"

Spätestens mit der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 schieden sich im Ruderclub Germania die Geister. Auch die Ruderer wurden von einer staatlichen Sportführung zentral verwaltet. Sie erhielten eine Einheitssatzung verpasst, mussten zum Anrudern und zu nationalen Anlässen zum Fahnenappell antreten, und für Angehörige der SA wurde Rudern zur Pflichtübung. Aber die Olympischen Spiele in Berlin 1936 beflügelten die Sportbegeisterung. Die Nationalsozialisten förderten den Spitzensport in einem bis dahin völlig unüblichen Umfang. Das sportliche Ergebnis von Berlin übertraf besonders bei den deutschen Ruderern alle Erwartungen: sie gewannen in den sieben olympischen Bootsgattungen fünf goldene, eine silberne und eine bronzene Medaille! Einen besseren Ansporn konnte es auch für den Rudersport im RCGD nicht geben.

Damen ante portas

Ehefrauen und Freundinnen der - männlichen - Germanen hatten schon früher am Clubleben teilnehmen dürfen, allerdings in angemessenem Abstand. Auch durften sie das gewonnene Silber der Rennruderer putzen oder ihnen Brote schmieren. Aber aufs Wasser gingen die Herren alleine, das war Ehrensache. Oder auch wieder nicht, denn unter strengen Auflagen war das gelegentliche Steuern durch Weiblichkeit erlaubt. Aber selbst das verlief wohl nicht immer problemfrei und bekräftigte eher Vorurteile, wie einer Clubzeitung von 1927 zu entnehmen ist: "In der letzten Mitgliederversammlung ist das Steuern der Damen im Einer und Doppelzweier an Wochentagen wieder freigegeben worden. Die Clubvertretung erwartet, dass diese Feigabe nicht missbraucht wird und dass die Umstände, die zum Verbot des Damen-Steuerns geführt haben, nicht wieder auftreten werden."
Auf Drängen unserer schwungvollen Trainingsleute wurde am 24. März 1938 eine "Frauenabteilung" gegründet. Die Begrüßung der "Frauen und Mädels" durch die Clubführung fiel noch etwas martialisch und säuerlich aus, was Trude Tittgen - Leiterin der Damenabteilung - noch beim 25-jährigen Jubiläum 1963 zu einem ironisch-milden Rückblick animierte: "Allmählich war man im RCGD des trostlosen Dahinvegetierens im rein männlichen Klima überdrüssig geworden. 34 Jahre lang mussten unsere Clubkameraden ein fast asketisch dunkles Dasein führen, spärlich aufgehellt durch ungesunde und geistesarme, dafür lautstarke Versammlungen an der Theke und auf der Kegelbahn. Oder durch gelegentliche Festlichkeiten, bei denen das weibliche Element beim besten Willen nicht entbehrt werden konnte. Im übrigen hieß es, die Ruderei sei Herrensache, für Damen nicht geeignet. Es war da nur ein kleiner Schönheitsfehler, dass bei einigen anderen Rudervereinen schon Damenabteilungen bestanden, in Düsseldorf sogar ein selbständiger Damen-Ruderverein. Nun, wir wollen diese Zurückhaltung im Ruderclub Germania darauf zurückführen, dass unser Vorstand diese Frage ganz besonders tiefsinnig, gründlich und verantwortungsbewusst geprüft und analysiert hat, bevor er zu Taten schritt. Später war aber dann doch mancher froh, dass die Damen "stets gute Kameradinnen, treue Mitglieder und vor allem verlässlich" waren. Denn mancher stolze Germane landete mit einer in Wind und Wellen erprobten Germanin vor dem Traualtar!" 22 junge Damen gehörten 1938 zu den Gründerinnen.

Zerstörung und Neuaufbau

Den Club ereilte die Katastrophe in der Nacht zum 9. September 1942. Nach einem Bombenangriff auf Düsseldorf blieb von dem wunderbaren Club- und Bootshaus auf der Mole des Berger Hafens nur ein Trümmerhaufen übrig. So fing der Ruderclub Germania 1946 mit 210 Mitgliedern wieder ganz von vorne an. Aus den Kriegstrümmern wuchs der Club in die sportliche Blüte der 50er- und 60er-Jahre.
Am 11. Juli 1948 wurde auf Initiative von Theo Cohnen jr. und in einer Regattaleitung mit Adalbert Tewes vom Düsseldorfer RV und Hans Feldhaus vom Neusser RV erstmals nach dem Krieg die Düsseldorfer Juniorenregatta auf der Duisburger Wedau durchgeführt.
Auch wenn "nur Narren daran glauben mochten" (Originalton Theo Cohnen jr.), war bald das gesamte Clubleben auf ein neues Bootshaus ausgerichtet. So beschloss die Mitgliederversammlung 1948, das Grundstück "Am Sandacker 43" auf 66 Jahre in Erbpacht zu erwerben. Niemand sah damals voraus, dass sich die Bauarbeiten in mehreren Abschnitten über Jahrzehnte hinziehen würden bis zu der endgültigen Gestalt von Club- und Bootshaus, wie sie im Jahre 2004 zum 100-jährigen Bestehen präsentiert werden kann. Die ganze Bauerei wurde zu einer argen Strapaze. Da jeder Pfennig kostbar war, leisteten die Mitglieder ungezählte Arbeitsstunden. Artur Klopprogge, der damalige Zerberus von Booten und Bootshaus, setzte in der Mitgliederversammlung vom April 1948 den folgenden Beschluss durch: "Herr Klopprogge berichtet über die zu leistenden Planierungsarbeiten am Bootshaus-Neubau und gibt bekannt, dass jeder aktive Ruderer 15 Arbeitsstunden leisten muss, bevor er rudern darf."
Als dann an einem strahlenden Sonntagmorgen des 8. Juni 1952 Einweihung gefeiert wurde, verbunden mit der Taufe von sieben Booten, war die Germania-Familie erleichtert und stolz. Dieser Tag war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Ruderclub Germania. Hinein in die Freude über das neue Bootshaus platzte 1952 die "unglaubliche" Nachricht von der ersten Deutschen Meisterschaft für den RCGD, der ersten Rudermeisterschaft für Düsseldorf überhaupt. Ein Jahr zuvor war Germania gerade zum ersten Nachkriegssieg im Rennboot mit den Jungmannen Theo Henke, Horst Kloeters, Willi Gerhardt, Wolfgang Lückerath und dem da noch steuernden Claus Heß gekommen. Und jetzt hatte der kühl kalkulierende Trainer Dr. Theo Cohnen mit den Neunzehnjährigen Theo Henke, Horst Kloeters, Dieter Verleger und Claus Heß - inzwischen Schlagmann - in Flörsheim den Titel im Leichtgewichts-Vierer ohne Stm. gewonnen. Die helle Begeisterung führte damals Theo Cohnens Feder bei seinem Bericht: "Wir konnten es lange nicht fassen. Der erste Germanenstart auf einer Meisterschaft gleich ein Sieg! Dazu noch in einer so klassischen Bootsgattung wie dem Vierer-ohne! Die Ehrung der jungen Meister durch Herrn Dr. Wülfing, dem 1. Vorsitzenden des Deutschen Ruderverbandes, durch Herrn von Opel und durch viele andere, begleitet von Fanfarenstößen und dem Jubel der Zuschauer, die eine herrliche Rudertechnik verbunden mit starkem kämpferischen Einsatz objektiv anerkannten, all' das war ein Film, der leider viel zu schnell abrollte."
1955 und 1956 wurden Claus Heß und Helmut Sauermilch in der technisch schwierigsten Bootsgattung des Zweier ohne Stm. zweifache Deutsche Meister. 1956 erwarben sie damit auch die Flugkarte zu den Olympischen Spielen. War diese Tatsache schon wegen der so bescheidenen Clubverhältnisse ein kaum fassbarer Gipfelpunkt, so wurde alles noch großartiger durch den Austragungsort der Wettkämpfe in Melbourne.

Interner Zweikampf

Aber auch bei den Wanderruderern kam es zu neuen Höchstleistungen. Bei den Fahrtzielen und bei den Kilometer-Leistungen durchbrachen die Aktiven immer neue "Schallmauern". Eine Ursache dafür war der "Wettkampf der Systeme" zwischen Rennruderern und Wanderruderern, der in den 50er-Jahren beim Ruderclub Germania mit voller Wucht und mit allen Haken und Ösen ausgetragen wurde. Mag das teilweise auch mit akribischeren Auszählverfahren zusammenhängen, so sind doch Jahresleistungen von über 160.000, 170.000 bis zum absoluten Rekordjahr 1996 mit 180.926 km nur noch als Ausdruck einer extrem sportbegeisterten Clubgemeinschaft zu bezeichnen. Ganz natürlich schafften die Germanen auf diese Weise seit 1980 beim Wanderruderpreis des Deutschen Ruderverbandes 14-mal den 1. Platz, 6-mal den 2., 1-mal den 3. und 1-mal den 5. Rang.
Zum sichtbaren Symbol des sportlichen Aufschwungs wurde die Einweihung des eigentlichen Clubhauses 1959. Es war nach fünfjähriger Bauzeit wieder mit einer Menge Eigenleistung räumlich getrennt von der Bootshalle errichtet worden. Nach 17-jähriger Unterbrechung standen endlich wieder eigene Clubräume zur Verfügung.

Die Germanen erobern die Welt

Neben Karl Adam, dem "Ruderprofessor vom Ratzeburger Küchensee", wurde Dr. Cohnen weltweit zum Synonym für modernste Trainingsmethoden und deutsche Ruderklasse. Die Losung hieß: "Geh' zu Cohnen, es wird sich lohnen!" Kein Talent hat es je bereut, bei ihm trainiert zu haben. Auch fertige Ruderer zog es zu noch größeren Erfolgen an den Rhein. Germanias Rennstars eilten in den folgenden Jahren von einem Triumph zum nächsten. Bei jeder Elite-Regatta sorgten Klaus von Fersen, Gerd Cintl, Horst Effertz, Claus Heß, Jürgen Litz, Klaus Riekemann, Günter Schroers, Manfred Uellner, Klaus Wegner und Steuermann Michael Obst für Schlagzeilen. 1958 wurden in einer Saison 48 Rennen gewonnen, davon 32 in der Eliteklasse, darunter drei Deutsche Meistertitel und zwei Europäische Silbermedaillen. 1959 gelang der bis dahin größte Erfolg, die Europameisterschaft im Vierer mit Stm. in Macon.

Alles Hoffen und Bangen war nun auf die Olympischen Spiele in Rom 1960 gerichtet. Die Olympische Saison war übervoll an Stress und sportlichen Enttäuschungen. Niemals hat es in Deutschland eine solche Fülle an Ruderern der Weltklasse gegeben. Es war schwieriger, Deutscher Meister als Olympiasieger zu werden! In diesem Ausleseprozess scheiterten im Einer Klaus von Fersen und im Vierer ohne Stm. Klaus Wegner, Manfred Uellner, Claus Heß und Günter Schroers auf der Ziellinie bei den Olympiaausscheidungen. Die fünf anderen aber erfüllten sich, ihrem Trainer und dem Ruderclub Germania einen Traum: Schlagmann Jürgen Litz, Klaus Riekemann, Horst Effertz, Gerd Cintl und Steuermann Michael Obst wurden im Vierer mit Stm. Olympiasieger - es war und blieb der überragende sportliche Höhepunkt unserer Clubgeschichte.


Bei ihrer Rückkehr aus Rom wurden unsere Olympioniken in einer selten erlebten Begeisterung von der Bevölkerung der Landeshauptstadt empfangen. Ein triumphaler Autokorso vom Flughafen durch die Stadt endete mit einem unvergesslichen Empfang im Festzelt in Hamm. Die Stadt Düsseldorf schenkte dem Club einen Rennachter, der 1961 von Oberbürgermeister Vomfelde auf den Namen "Rom" getauft wurde. Der Bundespräsident zeichnete die siegreichen Olympioniken mit dem Silbernen Lorbeerblatt aus, der höchsten Deutschen Sportauszeichnung. Damit waren schon zweimal Klaus von Fersen, die Europameister von 1959 und auch der Ruderclub Germania selbst - vertreten durch Kurt Schwelm - für vorbildliche Sportförderung geehrt worden. Nachdem 1967 auch Günter Schroers ausgezeichnet wurde, waren insgesamt 13 Silberne Lorbeerblätter an den RCGD gegangen! 1964 erstrahlte der Name Ruderclub Germania wieder einmal im hellen Licht. Über dreißig Rennruderer trainierten in dieser olympischen Saison, wieder eine breite Basis für Trainer Dr. Theo Cohnen. Der Nordrhein-Westfälische Ruder-Verband hatte unter Führung von Peter Velten und Hermann Philipsenburg vor den Olympischen Spiele in Tokio die Ruderschule Wedau gegründet und "Döres" Cohnen zum Verbandstrainer bestellt. Auch wenn die Ruderschule die Olympischen Spiele zeitlich kaum überlebte, förderte sie in ihrer kurzen Zeit das Rennrudern optimal. Im Mittelpunkt der Ruderschule Wedau standen Germanias Ruderer, voran Horst Effertz und Günter Schroers, beide auf dem Zenit ihres Könnens. Die Europameisterschaften fanden vor der Haustür statt, auf der Boosbaan in Amsterdam. Wieder einmal zog seitens des Ruderclub Germania eine kaum zählbare Schar von Schlachtenbummlern zu einer großen internationalen Regatta. Der Vierer-ohne wurde zu einem dramatischem Duell zwischen dem dänischen und dem deutschen Boot: die Dänen "krebsten" im Endspurt - unser Boot wurde Europameister 1964.
Für die folgenden Olympischen Spiele in Tokio erwarteten Ruderwelt und deutsche Öffentlichkeit vom schon legendären und hoch favorisierten "Germania-Vierer" ganz selbstverständlich eine weitere olympische Goldmedaille. Bei den Endläufen klebte die Nation zu Hause und in den Büros an den Radios. Doch an einem vom Winde verwehten Finaltag verflogen auf dem Toda-Kurs alle hohen Siegeserwartungen: nur ein 6. Platz! Die sportliche Enttäuschung ließ gleichwohl nie einen Zweifel aufkommen, dass auch dieser Germania-Vierer Clubgeschichte geschrieben hat. Nach Tokio beendeten Horst Effertz und Günter Schroers ihre rennsportliche Karriere, die von kaum einem anderen deutschen Ruderer übertroffen wird. Mit ihnen endete die Goldene Ära des Germania-Rennruderns in der Eliteklasse.

Interessengemeinschaft Jugend - Trainingszentrum

Weit in die Zukunft unseres Rennsports wies das 1977 eingeweihte Rennbootshaus im Düsseldorfer Hafen. In einer für Düsseldorf bahnbrechenden Zusammenarbeit verbanden sich Ruderer - damals RCGD und WSVD - und die Kanuten der Rheintreue zu einer "Interessengemeinschaft Jugend - Trainingszentrum". Hier formte Trainer Günter Schroers Michael Buchheit zum mehrfachen Weltmeister, machte Udo Schroers und Matthias Scheiff zu Eichkranzsiegern und Medaillengewinnern beim Nations Cup - die späteren Weltmeisterschaften der B-Senioren (U23). Insgesamt erreichte Günter Schroers bei 477 Trainersiegen Weltmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften, Europachampionat, Eichkranzsiege und Jugendmeisterschaften. Heute setzt Stephan Krajewski die von Theo Cohnen an Günter Schroers übergebene Tradition erfolgreicher Germania-Trainer fort.

Germania und lokale Großereignisse

Immer wieder beteiligt sich die Germania offensiv und sportlich erfolgreich an Großereignissen. Das war zunächst 1986 das Nordrhein-Westfalen-Fest in Düsseldorf mit fast einer Million Teilnehmern und Besuchern: hier gewann Germania vor spektakulärer Kulisse den klassischen Stadtachter auf dem Rhein. Zwei Jahre später, 1988, folgte die 700 Jahr-Feier der Stadt Düsseldorf - wieder so ein rheinisch-ausgelassenes Volksfest, und wieder schnappten sich unsere Rennruderer vor vollem Haus die Trophäe beim Stadtachter. Höchst originell war eine ungewöhnliche Floßfahrt, über die die Clubzeitung wie folgt berichtete: "Die Attraktion im Rahmen der Feiern zum 700. Geburtstag der Stadt Düsseldorf war das 110 m lange Rheinfloß, das in mehreren Etappen von Mainz nach Düsseldorf gebracht wurde. Damit wurde an eine jahrhundertealte Tradition erinnert, die mit der Entwicklung schnellerer und preiswerterer Transportmöglichkeiten bereits Vergangenheit geworden ist. Nach langen Vorbereitungen gelang es der Stadt, für diese Floßfahrt eine Genehmigung zu bekommen. In den Medien der gesamten Bundesrepublik sorgte die Floßfahrt für Aufsehen, für das Stadtjubiläum eine hervorragende Werbung. Auf der letzten Etappe nutzte unser Manfred Blasczyk die Gelegenheit, die Fahrt von Köln nach Düsseldorf auf dem Floß mitzumachen und sich vor dem Germania-Clubhaus fotografieren zu lassen. Eine schöne Fahrt, die ihm keine nassen Füße bescherte."
2002/03 engagierte sich die Germania bei der Düsseldorfer Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012.

Germanen haben ein breites Spektrum

Im Jahr nach der Wende bestand die Arbeitsgemeinschaft der Rudervereine Düsseldorf-Neuss 1990 eine besondere Bewährungsprobe: sie organisierte den Deutschen Rudertag in Düsseldorf. Der Dank des DRV-Präsidenten an die Organisatoren - vorne weg Ralph Beeckmann als Vorsitzender des Organisationskomitees - war über-schwänglich. Noch herzlicher allerdings bedankten sich die Damen der DRV-Offiziellen für ein Damenprogramm nach Düsseldorfer Art, das die Germaninnen um Heidi Beeckmann vorzüglich gestalteten.
Ein mitreißendes Ereignis vermittelte Frank-Michael Baldus im Frühjahr 1995: der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch war zu Gast im Club. Jeder glaubte, den Magier der schnellen Zunge und verdrehten Sätze, der grotesken Komik und des niederrheinischen Tiefsinns schon zu kennen. Was dann jedoch der Meister der Sprache - dem die Atmosphäre eines überfüllten Clubhauses überaus behagte - an brillantem Wortfeuerwerk zündete, lies sein verzücktes Publikum Tränen lachen.

Mutig in die Zukunft

Dann ging alles ganz einfach: in einem wieder einmal wagemutigen Schritt wählte die Mitgliederversammlung im November 2000 den 28-jährigen Gunnar Hegger zum neuen 1. Vorsitzenden. Der Wirtschaftsjurist hat klare Vorstellungen. "Im Sport ist es üblich, im olympischen Zeitraum von vier Jahren zu denken. Ein klares Profil und sportliche Erfolge, die beim RCGD im Vordergrund stehen, sind nur in einem langfristigen Zyklus zu erreichen, weil die Voraussetzungen und Infrastrukturen stimmen müssen. Mein wichtigstes Ziel ist es, wieder zur großen leistungssportlichen Tradition der Germania - im Renn- und Wanderrudern - zurückzufinden und unsere vital-kraftvolle Gemeinschaft zukunftsorientiert weit über Düsseldorf hinaus zu präsentieren. Die wichtigste Herausforderung war und ist, den RCGD im Deutschen Ruderverband wieder zu dem machen, was er einmal war", formuliert Hegger seine Prämissen. Er geht mit der Zeit und sucht neue rudersportliche Wege, um die Jugen auf Dauer an den Verein zu binden. Die Germanen haben zur genommen, dass Breitensport heutzutage eine weitere Sparte abdecken muss, den ambitionierten Freizeitsport! In einer Zeit des Free-Climbing und Mountain-Biking lässt sich einfach kein ehrgeiziger Sportler mehr aus dem Rennboot in eine Gig verbannen, nur weil er nicht mehr zum ersten Leistungskader gehört. Entweder der Club macht auch solchen Leuten Angebote oder sie sind ganz weg. Also öffnet sich die Germania auch den "Mountain-Bikern und Free-Climbern unter den Ruderern.
Im Leistungssport bietet der Ruderclub Germania nahezu seit seiner Gründung vor 100 Jahren seinen Talenten die Möglichkeit, auf Regatten zu starten. Jugendliche suchen noch ihre Rolle im Leben und in der Gesellschaft, und das geschieht bei vielen ganz natürlich über den sportlichen Wettkampf: wo stehe ich überhaupt? Dem ersten Vorsitzenden liegt der Leistungssport am Herzen. Gunnar Hegger unterstützt den seit 1998 in Germania Diensten stehenden Trainer Stephan Krajewski nach Kräften. Krajewski ist der erste Trainer, der nicht Mitglied des Clubs ist. Finanziell ist das anstrengend, aber Krajewskis Erfolge entschädigen dafür.

Über das Talentförderprojekt zurück in den Hochleistungssport

Jugendarbeit ist Ziel Nummer eins guter Sportvereine. Deshalb gehört die Sichtung und Förderung des Nachwuchses zu den zentralsten Aufgaben der RCGD. Zum 1. Februar. 2003 ist der Ruderclub Germania in das Landesprogramm Talentsichtung/Talentförderung des Ministeriums für Stadtentwicklung, Wohnen, Kultur und Sport (MSWKS) in Zusammenarbeit im dem Landessportbund NRW (LSB) aufgenommen worden. Der offizielle Titel "Talentförderprojekt" beschreibt zugleich Ziel und Programm. Voraussetzung ist die Kooperation des Vereins und Projekts mit Partnerschulen, im Fall des RCGD mit dem Lessing-Gymnasium, dem Luisen-Gymnasium, dem Görres-Gymnasium, dem Geschwister Scholl-Gymnasium und dem St. Ursula-Gymnasium sowie mit den Schülerruderriegen Gymnasium Gerresheim und Gymnasium am Neandertal.

Diese lange Tradition macht uns stolz, mehr noch ist sie aber für die Clubmitglieder eine Zukunftsverpflichtung!

Für Interessierte verweisen  auf die sehr ausführliche Festschrift „100 Jahre Ruderclub Germania Düsseldorf". Die Festschrift können Sie für 30,00 € über unsere Geschäftsstelle beziehen.

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